Güternahverkehr und Klimaschutz

#1 von Lessmann_Daniel , 22.12.2010 11:22

In der BZ war ein Artikel mit dem Titel "Südbadens Konzepte gegen den Klimawandel":
http://www.badische-zeitung.de/suedbaden...den-klimawandel

Hier ein Auszug aus meinem Kommentar dazu:

Zitat
Es gibt eine ganze Menge mehr Möglichkeiten, den Ausstoß von Treibhausgasen zu vermeiden. Und zwar nicht in der Theorie, sondern in der Praxis, auch wenn viele solcher Praktiken nur ein Nischendasein führen und teilweise sogar zurückgedrängt wurden.

Ein geradezu klassisches Beispiel ist der Güternahverkehr mit Lastenrädern und Fahrradanhängern. Einst war dies nicht nur in China, Indien und anderen "fernöstlichen" Ländern, sondern auch in Europa und Nordamerika zumindest in flachen Städten gang und gäbe.

In einem Faltblatt der Firma "Pedal Express" (Berkeley, Kalifornien) von 1998 heißt es:

[Zitat, eigene Übersetzung] Um die Jahrhundertwende spielten Lastenräder eine wichtige Rolle in amerikanischen und deutschen Großstädten. (...) Im Jahre 1907 begann der United Parcel Service seine Tätigkeit mit Lastenrädern. Heutzutage transportieren Lastenräder in Asien mehr Tonnage als Motorfahrzeuge auf der ganzen Welt. Nach Angaben der Schweizer Post sind 3700 Lieferräder und 4000 Fahrradanhänger in vielen Städten Europas im Einsatz. [Zitatende]

Nein, natürlich läßt sich nicht der gesamte Güterverkehr mit dem Fahrrad bewältigen - doch zumindest ein sehr großer Teil des innerstädtischen Güternahverkehrs ebenso wie Transporte ins Umland bis etwa 15 bis 20 km Entfernung. In Köln gibt es einen, der mit einer Fuhre bis zu 400 kg Nutzlast befördert - in Asien wird wie ich gehört habe oft sogar noch mehr geladen.

Und warum hat die Stadt nichts gegen die Zerstörung der Gütereisenbahn-Infrastruktur unternomen? Niemand konnte den Gemeinderat dazu zwingen, neue Bebauungspläne für die drei ehemaligen Güterbahnhöfe Wiehre, Süd und Nord sowie das Expreßgutgelände aufzustellen. Wieso hat die Stadt Freiburg nicht für den Weiterbetrieb dieser Anlagen gesorgt? Der Stadt gehören bereits die Gütergleise u.a. im Industriegebiet Nord, und sie hält (über die Stadtwerke und die VAG) 50% an der Breisgau-S-Bahn-GmbH - die für ein EIU oder EVU nötige Kompetenz ist also nicht das Problem.

So gibt es nun in Freiburg nur noch die Rollende Landstraße sowie eine deutlich verringerte Zahl an privaten Gleisanschlüssen. Die nächsten KLV-Terminals (vulgo: Containerbahnhöfe) sind in Offenburg und Weil am Rhein (Quelle: Eisenbahnatlas Deutschland, 2002).

Auf den LKW gehören mMn nur solche Lasten, die sich (aufgrund von Topographie, Abmessungen oder Gewicht) nicht mit Fahrrädern befördern lassen (auch nicht auf mehrere Fuhren aufgeteilt), und das auch nur bis zum nächsten Bahnhof. Für außergewöhnlich eilige Sendungen im Nahverkehr wäre ich mit Ausnahmen einverstanden, WENN diese ansonsten für höchstens 20 km Bahntransportstreckenanteil zweimal umgeladen werden müßten und sich die Beförderungszeit von Tür zu Tür dadurch mindestens verdoppeln würde.

Früher war das so oder so ähnlich mal selbstverständlich, doch was den SGV betrifft, hat die DB AG durch massive Infrastrukturvernichtung - die wirksam verhindert hat, daß andere EVUs diese klaffende Marktlücke schließen konnten - dem einen Riegel vorgeschoben.

Und wer Güternahverkehr mit dem Fahrrad anbietet, der wird offenbar von so wenigen wahr- und ernstgenommen, daß er froh sein kann, wenn dabei nur ein Taschengeld rausspringt. Ich jedenfalls kann davon nicht leben, muß mit Alg II ("Hartz IV") aufstocken und ständig mit der Angst leben, daß die ARGE nicht mehr länger zusieht und mich zu einer anderen Beschäftigung zwingt... Wobei, in Köln scheint es ja zu laufen, doch da gibt es wahrscheinlich mehr Pragmatiker, die die (wirtschaftlichen!) Vorteile erkennen und nicht wie in Freiburg ein Gemenge aus (wie es scheint) Halb- bis Pseudo-Ökos auf der einen und knallharten Anti-Ökos auf der anderen Seite.



Ich muß dazusagen, daß ich diese "Anti-Ökos" vor allem unter den Online-Kommentatoren, die sich auf den Seiten der BZ tummeln, verorte. Unter den "Ökos" die ich kenne, sind die meisten leider ziemlich inkonsequent bzw. belassen es bei einigen Themen, wo sie sich (oft mit großem, teils missionarischem Eifer) engagieren, ändern bei anderen aber wenig oder tun es nur sehr halbherzig. Ich will hier keinem "echten", konsequenten "Öko" an den Karren fahren - die gibt es auch, aber ich habe bislang nur sehr wenige kennengelernt. Und nein, auch ich bin nicht perfekt - soll mir bitte niemand unterstellen, ich hätte das jemals behauptet. Auch ich bin nur ein Mensch und habe ein paar (kleine ?) Sünden...

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