Wasser und Brot für Hartz-IV-Empfänger

#1 von Edgar , 26.09.2010 22:34

Vor der 'Lektüre' dieses Beitrages empfehle ich euch, die Fernsehsendung "Anne Will - Die "Hartz-Gesellschaft" - Ist Nehmen seliger denn Geben?" - anzuschauen. (Nebenbei: Für mich ist sie mit Abstand das Beste, was die ARD jemals 'hervorgebracht' hat !!!)

Die Arroganz der Macht

Heute wurde von der Schwarz-Gelben Regierungskoalition der Regelsatz für Hartz-IV-Empfänger um 5 Euro erhöht, nachdem sie allen 'Luxus', wie z. B. das Glas Wein zum Geburtstag, aus den Berechnungen herausgerechnet hat.

Fallbeispiel 1:
Eine erfolgreiche deutsche Firma mit über 1500 Mitarbeitern und vollen Auftragsbüchern wird von einem amerikanischen Konzern aufgekauft, der jedoch die Einnahmen aus dem expandierenden Betrieb zieht. Nach einigen Jahren muss die Firma Insolvenz anmelden, da sie zahlungsunfähig ist, was zur Folge hat, dass sämtliche Arbeitnehmer - euphemisch* ausgedrückt - 'freigesetzt' werden: Die Arbeitslosenquote dieses Städtchens schnellt daraufhin zwangsläufig in eine nicht aufzufangende Höhe.

Ein Arbeiter, der über 40 Jahre lang täglich zur Arbeit fuhr, ist einer von ihnen und erhält danach noch 1 1/2 Jahre lang 67 % seiner letzten Monatseinkünfte vom Arbeitsamt - was für ihn bereits ein gravierender Rückschritt ist - und fällt danach trotz seiner über 200 abgelehnten Bewerbungen völlig ins Bodenlose: Hartz-IV-Empfänger. Das Arbeitsamt teilt ihm daraufhin mit, dass seine Wohnung, in der er seit vielen Jahrzehnten wohnt, um wenige Quadratmeter zu groß sei, weshalb er sie verlassen oder hierfür eine finanzielle Beschneidung akzeptieren müsse. Sein Sohn, der sehr gute Noten in Physik und Mathematik erhält, jedoch ein Problem mit Fremdsprachen hat, muss fortan auf die Nachhilfe verzichten, wie auch seine Tochter den Ballett- und Klavierunterricht aufgeben muss. Dass Klassen- oder Vereinsausflüge gestrichen werden müssen, versteht sich von selbst ...

Fallbeispiel 2:
Einer meiner Nachhilfeschüler erzielte sehr gute Prüfungsergebnisse. Auf die Frage: "Dann hast Du bestimmt eine gute Lehrstelle erhalten" antwortete er: "Aus meiner Klasse hat nur einer einen Lehrvertrag bekommen, weil sein Onkel eine Firma hat, wo er untergekommen ist."

Fallbeispiel 3:
Ein Freund, der als Koch in einer Gaststätte arbeitet, erzählte mir, dass sich geraume Zeit vor der Öffnung des Lokales ein Mann im Außenbereich einfindet, der sich einen Kaffee bestellt, etwas schreibt, sich hernach der ausliegenden Zeitungen und Zeitschriften widmet, und nach einigen Stunden manchmal einen zweiten Kaffee bestellt. Den Grund für sein ungewöhnliches Verhalten hätte er auf Nachfrage einmal mit den Worten erklärt: "Ich bin arbeitslos geworden und möchte nicht, dass jemand etwas davon bemerkt, weil ich mich dafür schäme. Deshalb verlasse ich wie immer meine Wohnung, schreibe hier meine Bewerbungen und lese die ausliegenden Zeitungen. Zu den üblichen Zeiten meines früheren Arbeitslebens kehre ich dann in meine Wohnung zurück."´

Fallbeispiel 4:
Die Politikerin, Ulrike von der Leine (Name von der Redaktion geändert), mit 5-steligem Monatsgehalt, ist der Meinung, dass 'Arbeitslose' zu viel Geld erhalten würden und sie über 'entsprechende Kürzungen' gezwungen werden sollten, sich eine Arbeit zu suchen. Als ihr das Kindermädchen ihrer Kinder eröffnet, dass eines ihrer Kinder in Französisch schwächelt, was ein ehemaliger Lehrer für 65 Euro/Stunde berichtigen könne und ein Pferd ihrer Tochter lahmen würde, weshalb eine teure Untersuchung durch einen der besten Tierärzte des Umkreises dringend geboten wäre, willigt sie ohne Nachzudenken ein, weil sie beide Ausgaben für 'Peanuts' erachtet.

"Maschinensteuer"
Vor einigen Jahren richtete ein SPIEGEL-Journalist an einen Vorsitzenden des Aufsichtsrates einer großen, deutschen Firma die Frage, warum die Arbeitslosenzahlen trotz mehrerer 'Nullrunden' und Versprechungen der Industrie, zu investieren, in die Höhe schnellen würden, welche der Angesprochene dahingehend beantwortete, dass 'seine' Firma allein in Deutschland viele Millionen in die Innovation des Betriebes gesteckt hätte, um auch in der Zukunft weltweit konkurrenzfähig zu bleiben. Dass jetzt in einer Abteilung seit bisher 60 Arbeitern nur noch 3 einen Computer bedienen müssten, sei eine zwangsläufige Folge dieser Entscheidungen gewesen. Die Frage, ober er deswegen kein schlechtes Gewissen habe, verneinte er und erklärte, dass andere Firmen ebenso verfahren würden.

Es liegt inzwischen bereits Jahrzehnte zurück, als die SPD diese Entwicklung voraussah und für auf diese unchristliche Weise 'wegrationalisierten' Arbeitsplätze eine sog. "Maschinensteuer" erheben wollte, sie jedoch nicht durchsetzen konnte.

In eigener Sache: Ein Gesetz, das längst überfällig ist
Seit nahezu 20 Jahren lebe ich mit meiner Freundin zusammen. Unsere beiden Kinder sind über sie krankenversichert, wohingegen ich - im Gegensatz zu verheirateten Ehepaaren - die Kosten für meine Krankenkasse noch zusätzlich entrichten muss ...

*) "Euphemie" bedeutet: 'Wohlklingende' Umschreibung von etwas Negativem

 
Edgar
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