Armutsatlas für Deutschland

#1 von Edgar , 18.05.2009 13:27

Zitat
"Deutschland ist sozial zerrissen" (Erschienen am 18. Mai 2009)[/size]

Die Gefahr, zu verarmen, ist in Deutschland regional sehr unterschiedlich verteilt.
Die ärmsten Regionen in Deutschland sind Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt. Das geht aus dem erstmals veröffentlichten Armutsatlas des Paritätischen Gesamtverbands hervor. Als arm gilt, wem weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens zur Verfügung stehen. Verbands-Hauptgeschäftsführer Ulrich Schneider stellte den Atlas am Montag in Berlin vor.

Der Auswertung (Stand: 2007) zufolge liegen die Armutsquoten in Ostdeutschland - wo die Arbeitslosigkeit ohnehin am höchsten ist - deutlich über jenen im Westen: In den Ost-Bundesländern zwischen 17,5 Prozent in Berlin und Brandenburg und 24,3 Prozent in Mecklenburg-Vorpommern. Die wenigsten Armen leben im Süden Deutschlands: In Baden-Württemberg und Bayern beträgt die Armutsgefährdungsquote im Durchschnitt zehn und elf Prozent. Im Bundesdurchschnitt liegt sie bei 14,3 Prozent.

Kritik an Konjunkturpaket
Die Region Schwarzwald-Baar-Heuberg steht mit einer Armutsgefährdungsquote von 7,4 Prozent bundesweit am besten da: Für Schneider zeigt die Auswertung, dass "Deutschland sozial zerrissen ist". Von einheitlichen Lebensverhältnissen könne keine Rede sein. Um Armut wirkungsvoll bekämpfen zu können, dürften Fördermittel wie bei der Abwrackprämie "nicht mit der Gießkanne verteilt" werden. "Wenn wir nicht sofort und massiv gegensteuern, wird die Verödung ganzer Landstriche nicht mehr aufzuhalten sein", warnte Schneider. Der Verband kritisierte in diesem Zusammenhang das Konjunkturpaket II. Ein Großteil der zehn Milliarden Euro Bundesmittel für Bildung und kommunale Infrastruktur flössen nach Angabe des Verbands in die Bundesländer, die am wenigsten von Armut bedroht seien. Schneider forderte zudem, den Hartz-IV-Regelsatz von derzeit 351 auf 440 Euro zu erhöhen.

Deutliche Unterschiede in Ost und West
Besonders deutlich treten die Unterschiede zwischen Ost und West hervor: Während in den neuen Ländern (einschließlich Berlin) 19,5 Prozent der Bevölkerung armutsgefährdet waren, lag die Quote im früheren Bundesgebiet (ohne Berlin) mit 12,9 Prozent deutlich niedriger. Die Armutsgefährdungsquote war im Osten in nahezu allen Altersgruppen höher als im Westen. Lediglich die Altersgruppe der ab 65-Jährigen wies mit 9,3 Prozent im Osten eine geringere Quote auf als im Westen mit 11,9 Prozent. Während die Quote der weiblichen Personen im Westen etwas höher lag als bei den männlichen Personen, waren im Osten keine geschlechtsspezifischen Differenzen festzustellen.

Höchstes Armutsrisiko für Erwerbslose in Sachsen-Anhalt
Besonders von Armut bedroht waren in Deutschland demnach Erwerbslose sowie Alleinerziehende und deren Kinder. In Baden-Württemberg lag die sogenannte Armutsgefährdungsquote bei Erwerbslosen mit 40,3 Prozent am niedrigsten, während sie in Sachsen-Anhalt bei 66,0 Prozent lag. Für Alleinerziehende und ihre Kinder war das Armutsrisiko im Vergleich der Bundesländer am Niedrigsten in Berlin (28,6 Prozent) und Hamburg (29,6 Prozent). Die höchste Quote wies Sachsen-Anhalt mit 53,7 Prozent auf.

Berechnung aufgrund von Mikrozensus
Der Paritätische Gesamtverband beruft sich bei den Zahlen auf Erhebungen des Statistischen Bundesamtes und der Statistischen Landesämter. Diese hatten anhand des Mikrozensus für 2007 erstmals im Rahmen des Projekts "Sozialberichterstattung der amtlichen Statistik" die Erhebung durchgeführt. Der Mikrozensus ist die größte jährliche Haushaltsbefragung in Europa; er bietet aufgrund seiner Stichprobengröße die Möglichkeit, für alle Bundesländer verlässliche Indikatoren zu berechnen.

Unterschiedliche Daten je nach Richtwert
Nimmt man als Richtgröße jedoch das mittlere Einkommens des jeweiligen Bundeslandes und nicht das bundesweite, fallen die Unterschiede zwischen den Bundesländern deutlich geringer aus, wie die Statistiker erklärten: Bei den aus dieser regionalen Perspektive ermittelten Armutsgefährdungsquoten wiesen im Jahr 2007 Hamburg (16,8 Prozent) und Bremen (15,2 Prozent) die höchsten, Thüringen (12,9 Prozent) und Baden-Württemberg (13,0 Prozent) die niedrigsten Werte auf.


Armutsgrenzen nach Haushaltstypen in Euro

Haushaltstypen - Armutsgrenze in Euro

Single 764 Euro

Alleinerziehende - mit 1 Kind 994 Euro

Alleinerziehende - mit 2 Kindern 1223 Euro

Paar ohne Kind 1376 Euro

Paar mit - 1 Kind 1605 Euro

Paar mit - 2 Kindern 1835 Euro

Paar mit - 3 Kindern 2064 Euro

Quelle: "Armutsatlas" des Paritätischen Gesamtverbandes / Statistisches Bundesamt (Zahlen von 2007).

Quelle: T-Online Nachrichten

Zitat
[size=110]Kanzleramtsminister relativiert Armut (Erschienen am 13. Juni 2008 | aktualisiert am 13. Juni 2008)
Thomas de Maizière kritisiert den Armutsbegriff in Deutschland (Quelle: ddp)


Kanzleramtsminister Thomas de Maizière hat vor einem leichtfertigen Umgang mit dem Begriff Armut in Deutschland gewarnt. "Wenn man sich in der Welt umguckt, sind wir immer noch eine reiche Überflussgesellschaft", sagte der CDU-Politiker dem "Mannheimer Morgen". "Und das zentrale gesundheitliche Problem bei uns ist nicht Unterernährung, sondern Überernährung."

"Wenn Millionäre auswandern, gibt es keine Armut mehr"
Armut sei "ein relativer Begriff", gab de Maizière zu Bedenken: "Wer unter 60 Prozent des mittleren Einkommens verdient, gilt als arm. Das heißt, wenn morgen alle Millionäre in Deutschland in die Schweiz auswandern würden, hätten wir unser Armutsproblem mit einem Schlag gelöst. Daran sieht man, wie wenig aussagekräftig das ist."

13 Prozent der Deutschen sind arm
Bundesarbeitsminister Olaf Scholz (SPD) hatte im Mai Daten für den Armutsbericht der Bundesregierung vorab veröffentlicht. Danach gelten 13 Prozent der Bundesbürger als arm, weitere 13 Prozent werden durch Sozialtransfers wie Kindergeld oder Arbeitslosengeld II vor dem Abrutschen in Armut bewahrt. Der Bericht befindet sich derzeit in der Abstimmung zwischen den beteiligten Ressorts der Bundesregierung.

Quelle:T-Online Nachrichten

[attachment=1]Armutsatlas Baden-Württemberg (Armutsquoten).JPG[/attachment] Bildtext (T-Online Nachrichten): Baden-Württemberg weist mit zehn Prozent den niedrigsten Wert aller Bundesländer auf. Jede zehnte Person lebt hier unterhalb der Armutsschwelle.

[attachment=0]Armutsatlas Deutschland (Armutsquoten).JPG[/attachment] Bildtext (T-Online Nachrichten): In den dunkelrot markierten Gebieten ist die Armutsgefahr am größten, im hellgelben Bereich am geringsten. Baden-Württemberg 10,0%, Bayern, 11,0%, Hessen, 12,0%, Schleswig-Holstein 12,5%, Rheinland-Pfalz 13,5%, Hamburg 14,1%, Nordrhein-Westfalen 14,6%, Niedersachsen 15,5%, Saarland 16,8%, Brandenburg 17,5%, Berlin 17,5%, Thüringen 18,9%, Bremen 19,1%, Sachsen 19,6%, Sachsen-Anhalt 21,5%, Mecklenburg-Vorpommern 24,3% (Foto: Paritätischer Gesamtverband)

Bildquellen: Der Paritätische Gesamtverband

Armutsquote
Raumordungsregion 2005 2006 2007
Südlicher Oberrhein 11,8% 11,2% 10,6%
Diese Raumordnungsregion setzt sich zusammen aus
Kreisfreie Stadt Freiburg im Breisgau
Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald
Landkreis Emmendingen
Ortenaukreis

Informationsmaterial: Universität Duisburg-Essen, Institut für Soziologie

Angefügte Bilder:
Armutsatlas Baden-Württemberg (Armutsquoten).JPG   Armutsatlas Deutschland (Armutsquoten).JPG  
 
Edgar
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