Schwarz(F)ahren Lohnt Sich nicht?

#1 von Steve Grötzebauch , 02.04.2009 21:14

Kein Fahrschein? – Raus aus dem Zug

LANDKREIS BREISGAU-HOCHSCHWARZWALD. Viele Bahnfahrerinnen und -fahrer kennen die Situation: Der Zug kommt, doch der Fahrkarten- oder Entwertungsautomat am Bahnhof ist kaputt. Was tun? Zwei 15 und 17 Jahre alte Jugendliche sind nach der Schilderung eines BZ-Lesers mit nicht entwerteten Streifenkarten in die Höllentalbahn gestiegen – und haben im Zug nach einem Bahnmitarbeiter gesucht. Statt ihre Fahrscheine zu entwerten, habe der ihnen Strafzettel verpasst. Ein anderer BZ-Leser hat ein Kind nur knapp davor bewahren können, aus dem Zug verwiesen zu werden.



Immer wieder gab es in der jüngsten Zeit diese Meldungen: Mehrmals haben Bahn-mitarbeiter Fahrgäste gezwungen, auszusteigen, weil sie ihre Fahrkarte zu Hause vergessen hatten – was in der Öffentlichkeit auf besondere Empörung stieß, weil sogar Kinder und Jugendliche vor die Tür gesetzt wurden.

Auch in der Höllentalbahn hätte dieser Tage beinahe ein kleines Mädchen, zehn oder elf Jahre alt, auf dem Schulweg von Hinterzarten nach Kirchzarten den Zug in Himmelreich verlassen müssen. Ein Mann beobachtete, wie sich bei der Fahrkartenkontrolle herausstellte, dass das Kind eine abgelaufene Monatskarte dabeihatte. Weil er das Mädchen jeden Morgen im Zug sieht, war es für ihn selbstverständlich, ihr zu glauben, dass sie versehentlich die falsche Karte eingesteckt hatte.

Für den Zugbegleiter galt das in keiner Weise: "Eine Riesensauerei" sei es, empört sich der BZ-Leser, wie der Zugbegleiter das Kind beschimpft habe, wie er mit der Schülerin umging, die beinahe zu weinen begonnen habe.

Als der Zugbegleiter sie in Himmelreich auf halber Strecke vor die Tür setzen wollte, griff der Beobachter ein: Er bezahlte dem Mädchen die Fahrkarte und verständigte später die Eltern, damit sie das Kind von der Schule abholen. Für ihn ist die Angelegenheit damit noch nicht erledigt: Er plant eine Dienstaufsichtsbeschwerde gegen den Zugbegleiter.



Zwei Jugendliche, die kürzlich in der Höllentalbahn Strafzettel aufgebrummt bekamen, hatten dagegen nach der Schilderung eines anderen BZ-Lesers durchaus Fahrkarten – nur entwerten konnten sie die nicht, weil der Automat nicht funktionierte. Sie wandten sich im Zug sofort an den Zugbegleiter. Was haben sie aus Sicht der Bahn falsch gemacht? Bahn-Pressesprecher Roland Kortz will zu diesem Fall keine Auskunft geben: Es lasse sich nicht nachweisen, ob die Schilderung stimme.

Falls sich tatsächlich alles so zugetragen hat – haben sich die Jugendlichen dann richtig verhalten? In den Tarifbestimmungen des Verkehrsverbunds Regio Freiburg, der die Höllentalbahn betreibt, sei alles "eindeutig geregelt", sagt Roland Kortz: Züge dürfen nur mit gültiger, entwerteter Fahrkarte betreten werden.

Weshalb gibt es in den Zügen keine Entwertungsautomaten?
Falls das wegen eines defekten Automaten nicht möglich sei, müssen sich Fahrgäste"unverzüglich" – also sofort und ohne sich vorher einen Sitzplatz zu suchen – beim Zugbegleiter melden. Das haben die Jugendlichen gemacht.

Allerdings: Nach den Tarifbestimmungen werde dieses Verhalten nur akzeptiert, wenn der Automat tatsächlich kaputt sei, sagt Roland Kortz. Das werde immer überprüft. Falls sich herausstelle, dass der Automat funktioniere, drohten den Fahrgästen dieselben Konsequenzen wie beim Fahren ohne Fahrkarte – auch dann, falls jemand einfach nur nicht mit dem Automaten zurechtgekommen ist.

Warum, fragt sich der BZ-Leser, wird nicht mehr auf die betroffenen Fahrgäste und ihre Situation eingegangen? Und weshalb gibt es nicht in allen Zügen Fahrkarten- und Entwertungsautomaten, so wie es zum Beispiel in allen Straßenbahnen in Freiburg selbstverständlich ist?

Roland Kortz erklärt die aktuelle Situation damit, dass landesweit in Nahverkehrszügen keine Zugbegleiter mehr eingesetzt würden (einzige Ausnahme: Schwarzwaldbahn), sondern ausschließlich "Kontrollpersonal". Die Kontrolleure kontrollieren nur, im Unterschied zu den früheren Zugbegleitern dürfen sie keine Fahrkarten im Zug verkaufen. Viele Züge seien ohne Kontrolleure unterwegs – umso wichtiger sei die strikte Regel, dass alle Züge nur mit Fahrkarte betreten werden dürfen.

Und Automaten in Zügen, wofür sich einige Verkehrsverbünde entschieden haben, bringen aus Sicht der Bahn nicht nur Vorteile mit sich: Es gebe Fahrgäste, die es "darauf anlegen", ohne Fahrkarte zu fahren, sagt Roland Kortz – wenn es einen Automaten gebe, würden sie dort nur dann ein Ticket kaufen, falls sie mit Kontrolleuren rechnen.

 
Steve Grötzebauch
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